Fachbereich Musikalische Ethnologie am Department für Musikwissenschaft

Adresse: Universität Mozarteum Salzburg, Universitätsstraße 1 (Haus der Musik), A-6020 Innsbruck

Kontakt: Ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Nußbaumer; E-Mail: thomas.nussbaumer@moz.ac.at; Tel. +43/676/88 122 345

Aktuell

Gastvortrag: Dr. Friederike Jurth, Montag, 16.01.2023, Mirabellplatz 1, 2. Stock, Raum 2048: Into the field: Herausforderungen bei der ethnografischen Feldforschung als Musikethnologin in den Sambaschulen von Rio de Janeiro

 

Geschichte

Der heutige „Fachbereich Musikalische Ethnologie“ wurde 1988 auf Initiative des Musikpädagogen Univ.-Prof. Dr. Josef Sulz (1930–2016) als „Institut für Musikalische Volkskunde“ am Innsbrucker Standort der heutigen Universität Mozarteum Salzburg gegründet. Seit Oktober 2000 gehört dieses Institut bzw. der heutige Fachbereich dem (mehrfach umbenannten heutigen) „Department für Musikwissenschaft“ an. Als Assistentin wirkte bis 1994 Gerlinde Haid (1943–2012), 1995 folgte ihr Dr. Thomas Nußbaumer nach. Nach der Emeritierung des Institutsleiters Sulz wurde Nußbaumer im Februar 2001 zum Leiter bestellt. Der langjährigen Sekretärin Maria Rafetzeder folgte nach ihrer Pensionierung 2016 Univ.-Ass. Peter Oberosler M.A. als wissenschaftlicher Mitarbeiter.

Der Fachbereich Musikalische Ethnologie ist die erste und einzige universitäre Forschungseinrichtung West-Österreichs und der EU-Region Tirol-Südtirol-Trentino, die sich ausschließlich mit Ethnomusikologie/Volksmusikforschung befasst. Ihre Schwerpunkte liegen in der Erforschung der traditionellen Musik und musikalischen Alltagskultur in West-Österreich, insbesondere in Tirol und Südtirol, und in der Teilnahme an volksmusikalischen Forschungstätigkeiten in den alpinen Ländern (auch durch die Veranstaltung von Symposien). Die Abteilung pflegt im Rahmen gemeinsamer Projekte intensive Kontakte mit zahlreichen musikwissenschaftlichen, musikethnologischen und volkskundlichen Einrichtungen im In- und Ausland.

 

Forschungsprojekte

In den Jahren seines Bestehens wurden schwerpunktmäßig folgende Forschungsprojekte durchgeführt:

  • Feldforschungen bei Sänger*innen und Musikant*innen im Zillertal, Brixental, Ötztal, Passeiertal, Schnalstal, Lammertal und Gasteinertal sowie punktuell in zahlreichen Tiroler und Südtiroler Orten (seit 1990)
  • Grundlagenforschung zur Auswertung der Südtirolsammlung von Alfred Quellmalz (ca. 3.000 Magnetophonaufnahmen überlieferter Südtiroler Volksmusik aus der Umsiedlungszeit 1940–1942) (1995–2001)
  • Dokumentationen zur gegenwärtigen volksmusikalischen Situation in Tirol im Rahmen des Projektes „Volksmusik im Gespräch“ (1998–2001)
  • Feldforschungen zum Thema „Musik und Brauch“ mit den Schwerpunkten „Anklöpfeln/Klöckeln“ (Feldforschungen u.a. im Tiroler Unterland, im Sarntal, Grödental, Pfunderertal) und „Musik und Fasnacht“ (Forschungsarbeiten u.a. in Telfs, Nassereith, Tarrenz, Imst, Wenns, Fiss, Axams, Rum, Thaur) (seit 2000)
  • Musik der Minderheiten in Tirol (2004, 2005)
  • Feldforschung Dreiländereck (A/CH/I) mit Aufnahmen zur musikalischen Volkskultur in gesamter Breite in den Regionen Oberes Gericht, Obervinschgau und Unterengadin (seit 2008)
  • Feldforschung zur Rolle der Musik der Deutschstämmigen in den Amana Colonies, Iowa (Exkursionen 2005, 2009, 2012, 2015)
  • Feldforschung zur Musik der Old Order Amish in Kalona, Iowa (Exkursionen 2005, 2009, 2012, 2015, 2019)
  • Aufarbeitung der Tiroler und Vorarlberger Bestände der Sonnleithner-Sammlung (1819) (seit 2016)

Konzertreihe

Echos der Vielfalt – Musik der Welten in Tirol. In Zusammenarbeit mit Initiative Minderheiten Tirol, Haus der Begegnung Innsbruck und Institut für Volkskultur und Kulturentwicklung (ivk), Innsbruck); Konzerte 2004, 2006 und seit 2010 jährlich. Siehe http://www.echos.at

Symposien

Der Fachbereich veranstaltet überregionale Symposien zur Volksmusikforschung in den Alpenländern. Die bisherigen Themen waren:

 

  • 1988: Volksmusik und Wirtschaft
  • 1990: Die Improvisation in der Volksmusik der Alpenländer
  • 1992: Der authentische Volksgesang in den Alpen
  • 1994: Tanzmusik im Alpenraum
  • 1996: Musik im Brauch der Alpenländer
  • 1998: Religiöse Volksmusik in den Alpen
  • 2000: Musikpädagogik und Volksmusikforschung. Chancen einer Zusammenarbeit
  • 2002: Inspiration Volksmusik. Alpine Klangwelten und Komposition
  • 2004: Musica Alpina? Zur Interkulturalität von Volksmusik in den Alpen
  • 2008: Historische Quellen der Volksmusik in den Alpen – und die Gegenwart
  • 2010: Polaritäten? „Volksmusik“ in den Alpen zwischen Funktionalität, Pflege und Wettbewerb
  • 2012: Innovationen. Das Neue in der Volksmusik der Alpen
  • 2013: Zur (alpenländischen?) Frühgeschichte des Walzers
  • 2014: Volksmusik & Wettbewerb / Folk Music & Competition
  • 2016: Jodeln. Zur Geschichte und Praxis des registerwechselnden Singens
  • 2018: Mehrstimmigkeit Alpenraum
  • 2022: Tanzmusik im Alpenraum - in Erinnerung an Rudolf Pietsch

 

In Kooperationspartnerschaft wurden folgende Symposien veranstaltet:

 

  • 2003: Cesar Bresgen. Komponist und Musikpädagoge im Spannungsfeld des 20. Jahrhunderts
  • 2004: Forschung und Praxis des Kinderliedes im Alpenraum
  • 2011: Der Tanz in der Dichtung - Dichter tanzen. Walter Salmen zum 85. Geburtstag
  • 2012: Musik und Nazismus in Tirol
  • 2013: Zur (alpenländischen) Frühgeschichte des Walzers
  • 2013: Danser en chantant - Tanzlieder in europäischen Traditionen
  • 2014: Europäische Mehrstimmigkeiten - Polyphonies européennes (mit dem Frankreich-Schwerpunkt der Universität Innsbruck)
  • 2015: Polemische Arien. Zykan, Pirchner und Wisser als Akteure in Kontroversen (mit dem Schwerpunkt Wissenschaft & Kunst, Mozarteum & Universität Salzburg)
  • 2019: Pathways in the Intellectual History of Ethnomusicology
  • 2021: Glocken im Alpenraum - zwischen Signal und Klangkunst
  • 2022: Zwischen den Saiten. Die Einfachpedalharfe zurzeit Joseph Haydns und die Tiroler Volksharfe

Publikationen

In der ersten Schriftenreihe des Fachbereichs, „Innsbrucker Hochschulschriften, Serie B: Musikalische Volkskunde“ (wenn nicht anders angegeben: Verlag Mueller-Speiser, Anif/Salzburg), erschienen folgende Symposiumsberichte:

 

  1. Gerlinde Haid / Josef Sulz (Hg.): Improvisation in der Volksmusik der Alpenländer. Voraussetzungen – Beispiele – Vergleiche, Edition Helbling: Innsbruck 1996 (mit CD).
  2. Josef Sulz / Gerlinde Haid (Hg.): Das Volkslied im Chor. Zur Funktionalität volkshaften Singens der Chöre in den Alpenländern, Anif/Salzburg 1997 (mit CD).
  3. Gerlinde Haid / Josef Sulz / Thomas Nußbaumer (Hg.): Der authentische Volksgesang in den Alpen. Überlegungen und Beispiele, Anif/Salzburg 2000 (mit CD).
  4. Thomas Nußbaumer / Josef Sulz (Hg.): Musik im Brauch der Alpenländer. Bausteine für eine musikalische Brauchforschung, Anif/Salzburg 2001 (mit CD).
  5. Josef Sulz / Thomas Nußbaumer (Hg.): Religiöse Volksmusik in den Alpen. Musikalisch volkskundliche und theologische Aspekte, Anif/Salzburg 2002 (mit CD).
  6. Thomas Nußbaumer / Monika Oebelsberger / Gerlinde Haid / Gerhard Sammer (Hg.): Musikpädagogik und Volksmusikforschung – Chancen einer Zusammenarbeit. Symposion zum 70. Geburtstag von Josef Sulz, Anif/Salzburg 2003 (mit CD)
  7. Thomas Nußbaumer (Hg.): Volksmusik in den Alpen: interkulturelle Horizonte und Crossovers, Anif/Salzburg 2006 (mit DVD)

 

In der aktuellen Schriftenreihe „Schriften zur musikalischen Ethnologie“ (Universitätsverlag Wagner, Innsbruck) erschienen bisher:

 

  1. Thomas Nußbaumer (Hg.): Volksmusik in den Alpen – Standortbestimmungen. Festschrift für Josef Sulz zum 80. Geburtstag, Innsbruck 2011 (mit DVD)
  2. Sandra Hupfauf/Silvia Maria Erber: Liedgeschichten. Musik und Lied in Tiroler Politik und Gesellschaft 17961848. Hg. von Thomas Nußbaumer und Brigitte Mazohl, Innsbruck 2013
  3. Thomas Nußbaumer (Hg.): Das Neue in der Volksmusik der Alpen. Von der „Neuen Volksmusik“ und anderen innovativen Entwicklungen, Innsbruck 2014
  4. Thomas Nußbaumer/Franz Gratl (Hg.): Zur Frühgeschichte des Walzers, Innsbruck 2014 (mit DVD)
  5. Sandra Hupfauf: Die Lieder der Geschwister Rainer und „Rainer Family“ aus dem Zillertal (1822–1843). Untersuchungen zur Popularisierung von Tiroler Liedern in Deutschland, England und Amerika. Ergänzt und hg. von Thomas Nußbaumer, Innsbruck 2016
  6. Raymond Ammann/Vanessa Maria Carlone: Tirolerei in der Schweiz, Innsbruck 2020
  7. Judith Rubatscher: "Singen is a part vu unsern Lebm". Musik bei den Hutterern von Fairholme/Manitoba, Innsbruck 2022
  8. Thomas Nußbaumer/Raymond Ammann (Hg.): Alpenstimmen. Beiträge zum Jodeln und mehrstimmigen Singen, Innsbruck 2022

 

Folgende Publikationen entstanden in Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen:

 

  1. Gerlinde Haid / Hans Haid (Hg.): Musica Alpina I&II. Volksmusik aus den Alpen. Doppel-CD mit Booklet, 164 Seiten, Deutsch, Italienisch, Slowenisch. CD 1: Die Gedanken sind frei. CD 2: Schnee auf den Bergen. Im Auftrag von Pro vita alpina und des Instituts für Musikalische Volkskunde, Innsbruck/Schlanders 1993
  2. Tiroler Volksmusikverein / Südtiroler Volksmusikkreis (Hg.): Echte Tiroler Lieder. Ergänzte und kommentierte Neuausgabe der Tiroler Liedersammlungen von Franz Friedrich Kohl, 3 Bände, wissenschaftliche Redaktion: Thomas Nußbaumer, Innsbruck/Wien 1999
  3. Thomas Nußbaumer: Alfred Quellmalz und seine Südtiroler Feldforschungen (1940–42). Eine Studie zur musikalischen Volkskunde unter dem Nationalsozialismus, Innsbruck; Lucca 2001 (Bibliotheca Musicologica VI) (mit Universität Innsbruck)
  4. Thomas Hochradner / Evelyn Fink / Thomas Nußbaumer (Hg.): Zur musikalischen Volkskultur im Lammertal. Feldforschung 2001. Bericht, Salzburg 2003 (mit Salzburger Volksliedwerk)
  5. Thomas Nußbaumer (Hg.): musica alpina V & VI. Ötztaler Alpen. CD 5: Auf ihr Hirten, säumt euch nicht. Doppel-CD mit Booklet, 160 Seiten, Deutsch, Italienisch, Englisch. CD 6: Auf Erden, auf Erden, jetzt und alle Zeit. Im Auftrag von Pro Vita Alpina, Abteilung für Musikalische Volkskunde, Mozarteum, Institut für Ethnomusikologie und Volksmusikforschung (Universität für Musik und darstellende Kunst Wien), Ötztal Archiv und Internationales Dialektinstitut (Ötztal-Archiv, Band 14/15; IDI-Ton, Nr. 29/30), Innsbruck 2004
  6. Thomas Hochradner / Thomas Nußbaumer (Hg.): Cesar Bresgen – Komponist und Musikpädagoge im Spannungsfeld des 20. Jahrhunderts, Anif/Salzburg 2005 (Wort und Musik. Salzburger akademische Beiträge 59) (mit Institut für Musikwissenschaft und fächerübergreifende Studien, Universität Mozarteum Salzburg)
  7. Wolfgang Gratzer / Thomas Nußbaumer (Hg.): Polemische Arien. Zykan, Pirchner und Wisser als Akteure in Kontroversen, Freiburg i.Br. /Berlin/Wien 2018 (klang-reden. Schriften zur Musikalischen Rezeptions- und Interpretationsgeschichte 19) (mit Institut für musikalische Rezeptions- und Interpretationsgeschichte)
  8. Klaus Näumann / Thomas Nußbaumer / Gisela Probst-Effah (Hg.): Musikalische Wettstreite und Wettbewerbe, München 2018 (Musik – Kontexte – Perspektiven. Schriftenreihe der Institute für Musikpädagogik und Europäische Musikethnologie an der Universität zu Köln 9).
  9. James R. Dow: Angewandte Volkstumsideologie. Heinrich Himmlers Kulturkommissionen in Südtirol und der Gottschee. Textredaktion: Thomas Nußbaumer, Innsbruck/Wien/Bozen 2018 (mit James R. Dow, Iowa State University, Ames)

 

Siehe auch Publikationen von Thomas Nußbaumer: https://www.moz.ac.at/people.php?p=50860

 

Lehre

Seit ihrem Bestehen unterstützt der Fachbereich Musikalische Ethnologie auch die Lehre am Innsbrucker Department für Musikpädagogik, am Tiroler Landeskonservatorium, an der Universität Mozarteum Salzburg und an der Universität Innsbruck durch die Abhaltung von Lehrveranstaltungen und die Betreuung von Bachelor- und Diplomarbeiten und Dissertationen.

 

Projekte in Vorbereitung (2023)

Publikation: Thomas Nußbaumer/James R. Dow: Singen der Amischen von Kalona, Iowa (Schriften zur musikalischen Ethnologie 9)