Nikolaus Harnoncourt

Dr. h.c. O.HProf. i.R.
* 1929     † 2016
von 1973 bis 1994 Professor (1980 o.HProf.) für Aufführungspraxis und historische Instrumentenkunde am Mozarteum Salzburg





Johann Nikolaus Harnoncourt wurde am 06.12.1929 in Berlin geboren. Von 1944 - 47 studierte er bei P. Grümmer Violoncello. Nach der Matura 1948 in Graz ging Harnoncourt an die Musikakademie Wien und studierte dort von 1948 bis 52 in erster Linie bei E. Brabec.
Von 1952 bis 69 war er Mitglied der Wiener Symphoniker, 1953 gründete er sein Ensemble für Alte Musik, den "Concentus Musikus". Bis 1960 reiste er als Gambensolist. Harnoncourt gab mit dem Concentus Musicus bisher viele hundert Konzerte in allen wichtigen Städten der Welt und ist seit 1972 als Dirigent in vielen Musikzentren tätig, auch mit anderen Orchestern. Sein Spezialgebiet ist die Konzertmusik von 1500 bis Mozart/ Haydn und die Opern Monteverdi bis Mozart. Sein Anliegen ist es, sowohl den Musikern als auch den Musikhörern die vielen Sprachen und Stile der Musik vergangener Jahrhunderte wieder zugängig zu machen. Er ist bestrebt, mit Hilfe der historischen Mittel (Originalinstrumente und Studium der historischen Notation) eine moderne Interpretation der Meisterwerke der Vergangenheit zu verwirklichen (vgl. dazu Nicolaus Harnoncourt: "Musik als Klangrede").
Als Pionier auf diesem Gebiet führte er Bachs Johannespassion, die Matthäuspassion, die h-Moll-Messe und viele Kantaten in originaler Version auf. Er übernahm die musikalische Leitung von Opern von Monteverdi, Mozart, Purcell, Händel und Rameau an den Opernhäusern zürich, Wien, Mailand, München, Berlin Wiesbaden, Frankfurt, Edingbourgh u.a. Viele dieser Aufführungen inszenierte J.P. Ponnelle.
Harnoncourt produzierte über 200 Langspielplatten bei Amadeo, DG, Electrola, Vanguard, MHS - seit 1972 ausschließlich bei Teldec. Viele davon wurden mit Schallplattenpreisen ausgezeichnet, z.B. mit dem Grand Prix Disque, mit dem Deutschen Schallplattenpreis, dem Englischen und dem Italienischen Kritikerpreis, dem Prix Monial u.a. Seine Interpretationen von Monteverdi-Opern wurden n Form von Opernfilmen aufgenommen, ebenso Bachs Weihnachtsoratorium und die Brandenburgischen Konzerte. Harnoncourts spezifischer Aufführungspraxis liegt eine intensive wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Musik vergangener Jahrhunderte zugrunde. Er nahm an zahlreichen musikwissenschaftlichen Kongressen und Tagungen in Brünn, Amsterdam, Stockholm, Kassel, Bremen u.a. teil und publizierte viele Aufsätze, Essays, Vorträge, Programmtexte und Plattenbroschüren. Eine Sammlung von Essays und Vorträgen erschien 1982 unter dem Titel "Musik als Klangrede" im Residenzverlag. Darin nimmt er eine Analyse des heutigen Musiklebens vor und erläutert die Grundprinzipien seiner musikalischen Praxis (siehe oben). Harnoncourt hielt jahrelang Meisterkurse, Sommerkurse und Projektkurse in Bremen, Ossiach und den Haag. Seit 1973 unterrichtet er an der damals Hochschule Mozarteum Theorie und Aufführungspraxis der alten Musik.
Auch nach Übertritt in den Ruhestand an der Universität Mozarteum 1993 ist Harnoncourt weiterhin als Dirigent tätig. Erst 2015 gab er das Ende seiner Dirigententätigkeit bekannt. Nicolaus Harnoncourt verstirbt 2016 im Kreis seiner Familie.

Harnoncourt erhielt 2008 das Ehrendoktorat der Universität Mozarteum und wird von den Wiener Philharmonikern 2005 zum Ehrenmitglied ernannt Für seinen Beitrag zu einem neuen Musikverständnis wurde er 1980 mit dem Erasmus-Preis ausgezeichnet.